Wovor wir uns wirklich fürchten

Wir alle streben nach diesem Glücksgefühl, nach dem inneren Frieden, der inneren Ruhe und Zufriedenheit, der Gelassenheit und der Erfüllung. Kurzum jeder sucht von uns seinen eigenen Sinn des Lebens.

Die meisten von uns werden dann erfolgreich im Job, bauen ein Haus, gründen eine Familie, engagieren sich ehrenamtlich oder suchen vergeblich nach dem einen Traummann oder der einen Traumfrau. All diese Dinge vermitteln uns das Gefühl der Kontrolle und die Illusion von Glück. Ich spreche deswegen von Illusion, da Glück nicht vergeht. Glück ist vielmehr ein innerer Zustand des Friedens der fortan besteht und unabhängig von äußeren Geschehnissen ist.

Doch die meisten von uns kennen nur diesen Zusammenhang von Außen zu Innen. Spätestens wenn sich der äußere Zustand verändert, verändert sich auch unser innerer Zustand. Das Gefühl von Glück, das wir von heutzutage kennen, ist vergleichbar mit einer Droge. Wir wollen immer mehr davon und wenn es uns weggenommen wird, verweilen wir in einer Art paralysiertem Entzugszustand und wünschen uns sehnlichst einen anderen Zustand – kurzum wir sind außer Lage das Hier und Jetzt anzuerkennen und zu akzeptieren.

Stattdessen flüchten wir weiter ins Außen und merken dabei nicht, dass das wirkliche Glück eigentlich immer da ist. Wir wünschen uns zwar so sehr ein glückliches Dasein, haben aber die meiste Angst davor. Verlieren wir den Kontakt zu uns selbst indem wir immer gedanklich in Vergangenheit und Zukunft verweilen, indem wir immer im Außen nach Erfüllung suchen, verlieren wir auch den Kontakt zu inneren Stille und zum Glück. Wir laufen zunehmend Gefahr, immer süchtiger zu werden, immer mehr haben zu wollen. Jede Form von Sucht ist nur die Ablenkung von dem Zugeständnis an sich selbst, mutig genug zu sein, sich seinen Ängsten bewusst zu stellen und das Mangel an Vertrauen an seine eigene Fähigkeit hierfür. 

Es ist in Wahrheit unser Ego das gelernt hat, es sei zu gefährlich wir selbst zu sein. Es ist das Ego das uns suggeriert, es könnte zu schmerzhaft, zu gefährlich, zu einsam, zu langweilig werden, wenn wir das Außen ein Stück weit verlassen und bewusst zu uns zurückkehren. Spätestens dann, wenn wir es wagen, mal zu gucken, wird uns bewusst, dass uns garnichts passiert, sondern dass vielmehr eine riesen Angst darauf liegt, es zu wagen ins Unbekannte einzutreten. Das was wir nicht kennen fürchten wir. Und unser Ego wird alles dafür tun, um uns davor zu schützen. Unser Verstand schaltet sich sofort ein und wird uns weiterhin Märchen erzählen, die wir für wahr halten.

Im Folgenden ein paar Beispiele:

Ich kann das nicht

1. Ich kann das nicht

So ziemlich die berühmteste Unterschrift unter jedem Misstrauensantrag an uns selbst und die am weitesten verbreitete Einrede unseres Verstandes um uns im gewohnten Unbewusstsein zu halten.

Fang an dich selbst zu fragen, was für eine Art leben du wirklich führen möchtest. Fang an zu fragen, was Glück und glücklich sein für dich bedeutet und ob du weiterhin gefangen und abhängig von anderen Menschen und äußeren Umständen sein möchtest. Fang an zu hinterfragen, ob es nicht dein Verstand ist, der auf dich einredet, weil er schlichtweg keinen anderen Weg kennt, als diesen auf dem er dich bislang wie ein dressiertes Pferd herumführte. Geh in dich und Frage ob es nicht doch einen Weg, etwas Größeres gibt, das nur in uns selbst und nicht in dieser Welt zu finden ist.

Mit dem Gedanken „Ich kann das nicht“ machen wir uns selber kleiner als wir in Wahrheit sind. Verzeihe dir dafür, hab Verständnis dafür, dass du (noch) nicht weißt welch Kraft und Ruhe tief in dir liegen und du bislang nur noch nicht den Mut hattest, die Angst die diese Kraft überdeckt anzusehen und somit ins Bewusstsein zu befördern. Bedenke immer, dass das was sichtbar gemacht wird, immer dann automatisch beginnt sich aufzulösen. Wahrnehmen und sehen ist hier der Schlüssel. Sich durch den Kram der oben drüber liegt – Angst, Zweifel, Scham, Gedankenmuster, durchzuwühlen wird sich auszahlen.

Sei ehrlich zu dir selbst und wisse, dass alles nur dafür da ist, damit du reifst und nach Hause gehst. Der Mut bewusst zu fühlen wird sich auszahlen. Wenn du dafür noch nicht bereit bist, ist das auch okay. Statt „Ich kann das nicht“ sage dir jedoch “Ich will das nicht“. Dann bist du ehrlich zu dir selbst und selbst das ist ein Schritt näher in Richtung zu dem was du wirklich bist.

Wenn dann

2. Ja und wenn, dann…?

Unser Verstand ist zwangsläufig immer in Vergangenheit und Zukunft. Der Verstand kann im Hier und Jetzt, im Bewusstsein nicht überleben. Es ist seine Überlebensstrategie, dich an Dinge zu erinnern oder dir Zukunftsvisionen zu präsentieren um dich davon abzuhalten im Hier und Jetzt zu sein. Vergangenheit und Zukunft sind Illusionen, nichts davon ist real. Es gibt immer nur diesen einen jetzigen Moment, mach dir das bewusst. Es gibt kein Hätte und Wäre – alles was passierte hatte den Zweck, dich wacher zu machen, dich mehr in dein eigenes Bewusstsein zu rufen. Das Leben gibt uns diese (schmerzhaften) Situationen, damit unsere Aufmerksamkeit nach innen geht und wir wachsen und reifen können. Es hätte nicht anders sein können – zu dem Zeitpunkt war es richtig und das Beste was du in diesem Moment in der Vergangenheit hast geben/tun können! Jegliche Form konjunktivistischen Denkens hierbei ist eine absolute Vernichtung deiner Selbst. Das wird dir bewusst indem du in dich reinfühlst, während dein Verstand mit „Hättest du nur mal, wärest du nicht so…“ auf dich einprügelt.

Dass wir gedanklich so oft in der Zukunft sind, hat schlichtweg nur mit der unbewussten Verleugnung des jetzigen Momentes zu tun. Wir wünschen uns einen anderen Zustand, wir hoffen, wir versuchen gedanklich zu beeinflussen, Natürlich dürfen wir unseren Verstand benutzen um Pläne zu machen, um zu analysieren was uns als sinnvoll erscheint und was nicht. Um finanzielle Absicherungen zu tätigen, um berufliche Weichen zu setzen und und und. Wichtig und entscheiden dabei ist nur: Benutze deinen Verstand bewusst. Er ist ein hervorragendes Werkzeug um gezielt eingesetzt zu werden. Bleibst du auch wenn du deinen Verstand benutzt, bewusst und voll bei dir, so überlässt du ihm nicht die Kontrolle und deine volle Aufmerksamkeit. Du entziehst ihm die Macht, Besitz in Form von Gedankenmustern über dich zu ergreifen und immer mehr Aufmerksamkeit von dir und vom jetzigen Augenblick abzuziehen. Der Verstand lebt von deiner Aufmerksamkeit, je aufmerksamer du dich ihm hingibst, desto unbewusster folgst du ihm von einem Gedanken in den nächsten noch größeren Gedanken. Hast du dich schon einmal in einem Moment des „Erwachens“ gefragt, wo du gefühlt die letzten Minuten warst? Ein kleiner Gedanke über das morgige Abendprogramm, vorbei an der Frage wieso er/sie sich eigentlich immer noch nicht gemeldet hat bis hinzu dem gedanklichen Ausmalen eines einsamen tristen Lebens… Kennen wir nicht alle diese „Treppe der Gedanken“ die scheinbar in die Ausmalung der absoluten Katastrophe oder in der Vorstellung des perfekten Lebens endet? All das ist eine Illusion da es ein gedachter Zustand ist. Wird uns das mal klar, können wir die Chance ergreifen und mal bewusst aussteigen aus dem gedanklichen Marathon indem wir zunächst die Vehemenz dieser gedanklichen Vorgänge in uns nur beobachten. Wirst du zum Beobachter deines Verstandes, verlässt du automatisch das Unbewusstsein. Dann siehe was passiert.

Stille ist doch langweilig

3. Stille ist doch langweilig

Wann warst du das letzte Mal in völliger Ruhe und Stille? Kannst du es aushalten oder welche Gedanken und Gefühle entstehen dann in dir? Meistens wissen wir, dass wir ständig auf der Suche nach Ablenkung und nach einer gewissen Aufregung, die uns die Illusion der Lebendigkeit vermittelt, sind. Auch Lebendigkeit ist in Wahrheit ein Zustand der ins uns existiert aber nicht zwangsläufig vom Außen getragen werden muss. Natürlich erleben wir gerne Dinge, gehen raus, haben Spaß usw. Da spricht auch überhaupt nichts gegen. Nur müssen wir aufpassen uns nicht damit zu identifizieren und uns von Einflüssen abhängig zu machen. Lebendigkeit und vor allem Lebensfreude existieren dann wirklich und wahrhaftig, wenn wir auch die Stille lernen zu leben. Nur in der Ruhe und in der Stille sind wir wirklich uns selbst, da hier jede Form äußerer Einflüsse, die uns von unserer Rückkehr zu uns nach innen, abhalten, schlichtweg nicht existieren. Bist du einmal geübt darin, Stille zu fühlen und auch zu genießen, wirst du sie zunehmend aufsuchen, da dir jede Form von der Außenwelt nur noch eine oberflächliche und angenehme Erfüllung zusprechen wird. Im Außen ist nichts los, egal was passiert. Es geschieht alles in dir selbst. Nutze die Kraft der absoluten Stille und beobachte dich selbst. Es wird wahrscheinlich ein Gefühl der Langeweile aufkommen, es fühlt sich zunächst trist und unaufregend öde an. Nimm das einfach nur wahr und fühle was in deinem Körper vor sich geht. In manchen wird eine Angst schauen kommen, die von deinem Verstand herrührt. Vielleicht sagt dir dein Verstand: „Einsames langweiliges Leben, so bitteschön dann sei eben still während die anderen ihr Leben leben und Spaß haben“. Vielleicht wirst du unruhig in deinen Gedanken, in deinem Körper und du bekommst den Drang auszusteigen.  Das ist alles nicht schlimm. Nimm das nur wahr und werde dir bewusst – du MUSST nicht, du DARFST.

In der Stille liegt das größte Geschenk und zwar der Zugang zu dir selbst. Nur Ruhe und Stille kann die Türen zu deinem inneren Ich öffnen. Du fühlst dich ganz klar in deinem Körper, du nimmst deine Gedanken und deine Angst bewusst wahr, du siehst den Terror in deinem Kopf. All diese Dinge können sichtbar gemacht werden und an die Oberfläche. Fühl dich da durch und jede einzelne Schicht an Ängsten, Zweifeln, Schuld- und Schamgefühlen (mag da sein was mag) beginnt sich Stück für Stück abzulösen. So „arbeitest“ du dich immer weiter vor zu deinem eigenen leuchtenden Kern und du wirst bemerken, dass all deine Lebensfreude, deine Lebendigkeit, dein innerer Frieden und dein Glück immer da sind. Und zwar in dir.

Dass es der wirklich einzige Weg zu Glück, Frieden, Erfüllung, kurzum zu unserem wahren Ich und einem lohnenswerteren Leben führt, wird uns dann bewusst, wenn wir den Schritt wagen. Wir werden wahrnehmen, dass uns nichts passiert. Vielmehr verändern sich die Dinge im Außen zum Positiven. Beziehungen werden liebevoller, Umstände ändern sich nachhaltig – das Leben arbeitet für dich und nicht gegen dich. Hab Geduld und Vertrauen.

Der Schritt zum höheren Bewusstsein, das Zugeständnis an dich selbst, dass du Angst hast aber dennoch mutig bist – all das wird sich auszahlen. Dein Leben lang.