Warum geraten wir in eine toxische Beziehung?

Gefühlssucht

2. GEFÜHLSSUCHT

Durch den unterschwelligen Mangel in uns, den wir manchmal in Form eines latenten Gefühls der Unruhe, als ein Gefühl der Angst vor Langeweile oder auch als Hoffnung auf ein besseres Leben, eine schönere Beziehung oder auf vielleicht mehr Wohlstand, wahrnehmen, sind wir permanent auf der Suche nach Befriedigung dieses unterschwellig anspannenden Gefühls in uns.

Die Bezeichnung Sucht bedeutet in diesem Kontext nichts anderes, als das nicht endende Verlangen danach, Befriedigung durch äußere Umstände, Personen oder Dinge zu bekommen, um vor unserer Angst uns selbst nicht aushalten zu können, zu fliehen. Egal ob Nikotinsucht, Alkoholsucht, Spielsucht, Esssucht, Magersucht, Beziehungs- oder Gefühlssucht. Die Liste ist lang. Inzwischen gibt es fast nichts mehr wonach man nicht süchtig sein könnte. Alle Süchte haben denselben Nenner: Die unbewusste Flucht vor uns selbst, meist gepaart mit einem riesen Berg an Schuldgefühlen.

Die Gefühlssucht, oftmals einhergehend mit einer Sucht nach Beziehung ist die Grundform jeder Abhängigkeit in Beziehungen. Die Gefühlssucht ist Hauptgrund Nummer eins, warum wir uns auch in toxischen Beziehungen wiederfinden. Da ist auf der einen Seite das extreme Hoch, dieses Gefühl einer intensiven und außergewöhnlichen Verbundenheit, dieses „zu schön um wahr zu sein“. Je höher wir auf Wolke 7 steigen, desto größer ist der Fall der unmittelbar danach folgt. Mit anderen Worten: Zunächst gibt es diese immensen Glücksgefühle, dann der seelische Sturz ins Bodenlose, verbunden mit einer Leid, Schmerz und einer wahnsinnigen Angst vor der Einsamkeit.

Je intensiver diese Achterbahn der Gefühle wird, desto größer wird auch die Verlustangst. Wir binden uns an dieses irre System das uns zerstört – wir werden süchtig nach diesen Gefühlen. In solch einer Verbindung suggeriert uns unser Verstand, dass wir das schon hinkriegen, die Hochgefühle auch ohne den emotionalen Absturz möglich sein werden. Wir klammern uns an den Gedanken, dass es doch irgendwie funktionieren könnte und belügen uns fortan weiter. Es ist diese Sucht nach den Hochgefühlen, nach dem Besonderen, die Sucht nach den Glücksgefühlen die uns weiterhin in diesem Zahnrad gefangen halten. Immer mit einer immensen Hoffnung, die bei jedem Absturz wie eine Seifenblase zerplatzt.

Sehen wir genauer hin, so erkennen wir, dass es unser Verstand ist, der uns immer wieder durch Illusion dieses Gefühlsdrama fühlen lässt. Unser Ego, also unser erdachtes Ich, das zwangsläufig mit dem Verstand identifiziert ist, suggeriert uns permanent, dass es ja doch eigentlich ganz schön ist und dass es zu langweilig sein wird, wenn diese einzigartigen Hochgefühle nicht mehr da sind. Infolgedessen wirkt eine gesunde Partnerschaft als nicht anziehend genug und schlichtweg als öde. Da fehlt ja das Besondere, das Spannende, das Geheimnisvolle und letztendlich – die Achterbahn der Gefühle fehlt! Wären wir bei „gesundem Menschenverstand“, so wüssten wir, dass derartige Verbindungen pures Gift für uns sind und uns immer wieder in die emotionale Hölle stoßen. Vielleicht wissen wir das sogar. Dennoch hält uns unser Ego in dieser Verbindung und wir kommen trotz der endlosen seelischen Schmerzen nicht raus.

Der einzige Weg raus aus dieser Sucht bedeutet: Bewusster werden.

Wir verharren so lange in dieser Sucht, bis wir uns über diese Systematik bewusst werden. Manch einer von uns muss erst lange genug gelitten haben bis er aus diesem Alptraum erwacht, denn wenn wir wirklich am Boden sind und nicht mehr können, verlagert sich unsere Aufmerksamkeit automatisch nach Innen und wir werden bewusster.

Das ist dann das was ich „das Leben macht das“ nenne. Wenn wir nicht zuvor wachsam mit unserem Verstand umgehen und unsere Flut an Gedanken mal zunächst nur beobachten, zwingt uns das Leben in Form von Schmerz dazu. In diesem Fall rennen wir von einem Partner zum Anderen, in der Hoffnung es bei demjenigen doch „Richtig machen“ zu können, damit man bloß nach dem schönen Gefühlskino keinen emotionalen Schlägen ausgesetzt wird. Das Leben meint es nicht Böse mit dir – es will nur, dass du wach wirst und zu dir zurückkehrst. Solange dein Ego die Führung über dich übernimmt, wird das Leben dir immer wieder diese Situationen vor die Nase setzen. 

Frage dich aufrichtig, ob du genug gelitten hast. Ob du bereit bist deine Ängste anzusehen und sie einfach nur auszuhalten. Die Angst die hinter dieser Sucht steckt ist Angst vor Langeweile. Dein Verstand vermutet dahinter ein Gefühl der endlosen Leere, Sinnlosigkeit und Einsamkeit. Hinter diesem Gefühl steckt jedoch genau das was wir uns so sehr wünschen – die innere Freiheit, Unabhängigkeit und das glückliche Gefühl des Friedens.

Insbesondere für hochsensible Menschen unter uns gilt also: Werde dir zunächst bewusst darüber, dass dein Ego dir diese Angst macht, dass sie real in diesem Moment garnicht existiert. Es ist dein Ego das Angst davor hat, dass du es ins Bewusstsein beförderst und diese vermeintliche Angst tatsächlich auslöst. Wage den Schritt und dann gilt: aushalten.