Warum geraten wir in eine toxische Beziehung?

Hochsensibilität

1. HOCHSENSIBILITÄT

Menschen die an eine toxische Persönlichkeit geraten haben allesamt eines gemeinsam: Sie fühlen stark und haben die Fähigkeit stark zu leiden. Ich sage bewusst Fähigkeit, da in jedem Leid ein riesen großes Geschenk steckt, auch wenn es wirklich scheiße aussieht. Vergiss eines nie – die Geschenke, die scheinbar die hässlichsten sind, sind in Wahrheit die wertvollsten –  sie zahlen sich für das ganze Leben aus. Hochsensible Menschen können Verantwortung für ihre Gefühle übernehmen, sie können sich selbst spüren und somit auch andere. Und das ist genau das, was toxische Menschen brauchen. Sie wollen sich nicht selbst fühlen und brauchen hierfür das System der Hochsensiblen als Projektionsfläche für ihren verdrängten Mist. Hochsensible und hochempathische Menschen haben oft mehr Mitgefühl mit anderen, als mit sich selbst. Genau das ist das, was der toxische Partner für sich nutzt. Hochsensible Menschen fungieren dann dabei wie eine Tankstelle – der andere kann jederzeit andocken, abladen und Energie tanken. Man selbst verliert dabei an Vitalität, Lebensfreude und gehen schlichtweg kaputt. Das Einfühlungsvermögen das uns in die Wiege gelegt wurde ist ein riesen Geschenk des Lebens – der andere bedient sich in seinem grenzenlosen Unbewusstsein daran und überträgt solange auf uns, zieht so lange an unserer Vitalität bis wir schlichtweg am Ende unserer Kräfte sind.

Toxische Menschen ertragen sich selbst nicht und können sich schlichtweg nicht aushalten. An jemanden anderen anzuzapfen verschafft ihnen die kurzfristige Erleichterung sich selbst nicht spüren zu müssen. Sie müssen hochsensible Menschen anziehen, da nur hier die Passungen da sind.

Und wir wiederum haben gelernt, solchen Menschen den Popo zu polstern, unsere Muster kommen hier ganz deutlich zum Tragen: Anpassungsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, ein großes Gerechtigkeitsempfinden, grenzenlose Hilfsbereitschaft und Verständnis. Hinzu kommen unsere eigenen Überlebensstrategien, der eine unter uns möchte gerne bedeutsam und besonders sein, der andere denkt man könne diesem Menschen helfen indem man ihn unterstützt, der andere strebt nach diesen extremen Hochgefühlen (siehe auch 2. Gefühlssucht) die solch eine Art Beziehung in sich trägt.

Gemeinsamer Nenner von alledem: Hochsensible Menschen besitzen ein tiefgehendes Konstrukt aus Schuld- und Schamgefühlen. Sie übernehmen die Verantwortung für alles, für die Befindlichkeiten des Anderen, für das Gelingen der Partnerschaft und spüren eigene Grenzen wenig bis garnicht. Die Anpassungsfähigkeit und das Reaktionsvermögen ist überdurchschnittlich scharf gestellt, die Fähigkeit der Überschreitung eigener Grenzen unglaublich groß. Hochsensible Menschen versuchen alles möglich zu machen, bewaffnen sich mit allen Mitteln, um das passend zu machen was garnicht passt. Durch grenzenlose Kompromissbereitschaft, ständiges Mitgefühl mit dem Anderen verlassen sie sich permanent selbst. Ein toxischer Mensch der sich selbst nicht spürt, nutzt genau diese Grenzenlosigkeit des Hochsensiblen um sich auf deren offenem Areal bedienen und austoben zu können. Er sich unbewusst genau diejenigen, die sich ihrer eigenen Grenzen selbst nicht bewusst sind.

Aus Mangel an Bewusstheit über unsere Schuld- und Schamgefühle und Ängste die hier arbeiten, geraten wir in solche Beziehungen und verweilen so lange darin, bis wir bewusster werden – meist indem wir irgendwann genug gelitten haben. So lange wir nicht anfangen uns bedingungslos selbst die Wahrheit zu sagen, solange halten uns unsere Schuldgefühle und unsere Ängste davon ab, uns selbst zu begegnen. Sobald wir das erkennen, kann wirkliche Veränderung stattfinden. Und genau das ist der Anfang vom Ende des Leidens.