Hätte ich etwas anders machen können?

Jeder kennt diese Frage die man sich stellt, wenn etwas nicht so lief wie man es sich erhofft hatte. Der Job läuft nicht wie man es sich gewünscht hätte, Freundschaften zerbrechen, Beziehungen gehen auseinander. Das Leben verändert sich und geht so seinen Weg. Im Folgenden möchte ich die Frage „Hätte ich etwas anders machen können“ unter dem Deckmantel einer Beziehung betrachten, letztendlich lässt sich die Antwort auf diese Frage aber auf alle Lebensbereiche übertragen.

Du bist nun an dem Punkt angekommen, an dem du höchstwahrscheinlich voller Schmerz bist, voller Verzweiflung, voller Angst oder fragst dich selbst gebetsmühlenartig immer wieder dasselbe. Hätte ich damals nur dies gemacht, dann wäre bestimmt… Hätte ich doch nur anders reagiert, dann wäre es nicht so weit gekommen…Ich hätte es wissen müssen… Hätte ich mich doch nie eingelassen…

Alle konjunktivistischen Fragstellungen mit denen dein Verstand, dein Ego vehement auf dich einschlägt haben eines gemeinsam: Sie geben dir selbst die maximale Schuld an allem was in der Vergangenheit war. Vielmehr, dieses Gerede deines Verstandes, diese Gedanken sind die höchste Vernichtungswaffen deiner eigenen Person. Du bist SCHULD, dass es jetzt so ist wie es ist. Diese Anhäufung an Schuldgefühlen die in dir sind, haben wesentlich dazu beigetragen in diese Verbindung überhaupt zu kommen. Fühle einmal diese Gedanken, was er in dir auslöst. Spür mal in dich rein und beginne, das ganze Geplapper aus deinem Kopf zu hinterfragen. Widme dich mit deiner Aufmerksamkeit diesen Schuldgefühlen, sobald sie nach oben kommen.

Beinahe jeder von uns wird mit der klassischen Denkkonvention „Man hat immer eine Wahl“ erzogen. Wir können nicht anders, wir kennen es nicht anders. Dieses „Man hat immer eine Wahl“ suggeriert uns nicht mehr und nicht weniger als, dass wir selbst die „Verantwortung“ dafür tragen, wie eine Sache läuft oder ausgeht. Wie ein anderer Mensch reagiert und handelt. Ich setze das Wort „Verantwortung“ hier bewusst in Anführungszeichen, da wir schlichtweg nur Verantwortung für unsere eigenen Inhalte und unser eigenes Bewusstsein übernehmen können.

Wie jedoch können wir für etwas Verantwortung übernehmen, was wir garnicht SELBST gemacht haben? Für etwas was von unserem Ego geleitet wird? Solange wir im Unbewusstsein verharren, werden wir von unserem Ego geführt und reinszenieren fortan immer wieder den gleichen Schmerz. Wir haben das also nicht selbst gemacht. Wir hatten keine Wahl. Solange wir unbewusst sind, haben wir nie die Wahl. 

Bewusstsein

Je höher der Grad an Bewusstheit bei allen Dingen die wir tun, desto mehr verändert sich dein Außen.

Mit anderen Worten: Unterscheide den Begriff Verantwortung und Schuld. Verantwortung kannst du nur selbst für dich übernehmen, indem du möglichst alle Dinge bewusst tust, dich deinen Gefühlen stellst indem du sie fühlst und aushältst, deine Gedanken anfängst zu hinterfragen, den Zusammenhang deiner Gedanken und deiner Gefühle wahrnimmst – kurzum indem du dein Ego sterben lässt.

Schuld hingegen ist das was dir dein Ego vermittelt. Durch jahrelange Denkkonventionen (auch hierfür können wir nichts!) wurde uns eingetrichtert, dass wir eben immer die Möglichkeit haben anders zu entscheiden, dass wir die Dinge selbst in der Hand haben. Wir selbst?? Echt? Ist es nicht vielmehr unser Ego, das die Dinge vermeintlich in der Hand haben will? In Kontakt mit uns selbst handeln wir bewusst und immer (!) so, dass sich das Leben uns zuwendet. Auch wenn man dies zunächst nicht sehen kann. Unser Ego lernt also: Ich kann dich nur vor schlechten Erfahrungen schützen wenn du tust was ich dir sage und wenn du bloß keine Fehler begehst! Ist doch klar, dass dein Ego dir, nachdem du verlassen wirst, im Stich gelassen wirst, schlecht behandelt wirst die Story von „siehst du, du bist Schuld, hättest du nur mal…“ einredet. Sieh dir einmal an was dieser Gedanke mit dir macht und du wirst merken, dass er dich nur noch weiter in die Hölle zieht, so weit bis du keinen Ausgang mehr sieht.

Fühl diesen Terror in deinem Kopf, die unerträglichen Schuldgefühle, die Schmerzen, die Verzweiflung, die Hilflosigkeit und das Unverständnis für die Situation so wie sie nun ist. Beginne deine Gedanken auf Wahrheit zu überprüfen und fang an zu unterscheiden, was wirklich von dir Selbst kommt und was davon dein Ego ist, dass dich in deiner Rolle halten will.

Das Leben ist so vielmehr als das was dein Ego kennt. Dein Ego will dich schützen, es hat gelernt, es hat sich ausgebildet. Das ist okay und darf sein. Aber dein Ego ist nicht dafür da um dich glücklich zu machen. Glück geht von deinem wahren Selbst aus und das hält dein Ego für gefährlich und schwach. Stell dich den wirklichen Wahrheiten, statt ein Leben als eine Marionette deines erlernten Ichs zu leben. Nimm es bewusst wahr und ergib dich allem was in diesem Moment in dir passiert. Hör auf dagegen anzukämpfen. Hab Vertrauen und Mut in deine Fähigkeit bewusst zu fühlen und wacher für deine Gedanken zu werden und du wirst sehen, dass das Leben beginnt, für dich zu arbeiten. Du leidest niemals um sonst, all das ist nur dafür da, um dich wacher zu machen und um dir die wertvollste Chance überhaupt zu geben: die Chance, zu dir zurückzukehren. Und genau dann wirst du auch sehen, dass du nie eine Wahl hattest, dass du stets dein Bestes gegeben hast, so wie es dir möglich war. Zu jeder Zeit.   

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